Der skythische Nomade Anacharsis wird zum ersten Mal
bei Herodot erwähnt. Er ist der Fremde, der nach
Griechenland kommt, sowohl um zu lernen als auch – da
selbst ein Weiser – um anderen ein Lehrer zu sein. Er
äußert sich in knappen, oft witzig-ironischen Sprüchen,
die von der Antike bis heute in den allgemeinen Spruchwortschatz
eingegangen sind.
Anacharsis wird zum Paradigma eines griechischen
Weisen und erhält seinen Platz im Kreis der berühmten
Sieben Weisen. Er bleibt aber doch immer Nomade und
Skythe. An ihm erweist sich, welche Rolle das Bild der
Nomaden in den frühen, mythisch und geographisch
geprägten Anschauungen der Griechen einnahm: Über
die Verknüpfung von Weisheit und Nomadismus in der
Figur des Anacharsis wird das vollständig Fremde dem
Eigenen der griechischen Kultur eingeschrieben.