Hallo Fantasie!
Ich weiß, ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Aber so ist das, wenn man im Alltagsgeschehen immer mehr im Gleichschritt verschwindet.
Manchmal wird man einfach müde dabei, einfach durch den Tag zu kommen.
So reicht die Kraft gerade aus, sich abends auf die Couch fallen zu lassen und nur von dem großen Bru-der Fernsehen die Art vorgekauter und portionierter Fantasie ins Hirn projizieren zu lassen, die uns hilft, besser einschlafen zu können.
Nur um am nächsten Morgen wieder kraftvoll… in den selben Trott zu verfallen.
Um dann – plötzlich – in den Momenten, in denen wir am wenigsten mit dir rechnen, auf dich zu treffen.
Im glücklichen Lachen eines Kindes, das uns aus gro-ßen Augen anstarrt und uns mit Fragen löchert, die interessanterweise alle mit „Warum?“ beginnen.
Da kommst du dann ins Spiel, Fantasie.
Denn die Wahrheit ist zwar wichtig, dennoch trägt sie in ihrer Nüchternheit nicht die angesagte Mode, die dem Auge schmeichelt. Damit staffieren wir selbst sie aus, ummänteln sie – machen sie heller oder dunkler.
Den Kern der Wahrheit lernen wir erst später zu er-fassen, sich ihm zu stellen – dazu bedarf es der Sorte von Mut, die wir bereit sein müssen, selbst in uns zu finden und (das ist besonders wichtig) ihn auch anzu-nehmen.
Den Weg dorthin zu finden, ist eine Aufgabe, bei der du uns begleitest, Fantasie.
Du hilfst uns einander vor uns selbst zu beschützen, wenn die Wahrheit sich uns mal wieder nicht zeigt.
Du gibst uns Halt – und das ist überlebenswichtig.
Denn sonst würden wir hier binnen kürzester Zeit alle ein bisschen verrückt.
Du bist der Weg zur Wahrheit: durch Romane, Bilder, Musik, Gesang, durch religiöse Riten und reine Status-symbole (für diejenigen, die das Pech hatten, dir nie zu begegnen) führst du uns dorthin, wobei das erreichte Ziel für jeden von uns anders aussieht.
Doch in letzter Instanz ist dieses unumstößlich.
Du bist der Kitt, der alles zusammenhält.
Eine große Aufgabe, die du jeden Tag aufs neue an-gehst, denn wie oft werden diejenigen, welche dich mit deinem Wesen und deiner Aufgabe verinnerlicht haben von anderen mit dem spöttischen Satz: „Du hast ein bisschen viel Fantasie, oder?“, klein gemacht.
Danke, dass du uns, die wir offen sind für dein Wirken, inspirierst.
Wollt ich nur mal sagen.
Gruß,
Peter