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Nächte in Babylon von Daniel Depp

Nächte in Babylon
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  • Erschienen: 14.09.2011
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  • Erschienen bei: Carl's books
  • ISBN-10: 3-641-05669-1
  • Einband: EPUB,
  • Auflage: 1
  • Seitenzahl: 352
  • Sprache(n): Deutsch
  • Spieldauer: 644 KB Minuten
  • Kopierschutz: Ja

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Kurzbeschreibung zu "Nächte in Babylon"

Der perfekte Fall für David Spandau: eine Hollywood-Schauspielerin, deren Karriere einen deutlichen Knick hat, wird von einem Wahnsinnigen verfolgt - und sie denkt sich, dass ein gewaltsamer Tod vielleicht ein guter Abgang wäre. Ihre Schwester sieht das anders, sie heuert Spandau an, der auf sie aufpassen soll. Dummerweise ist sie aber Jurymitglied beim Cannes Filmfestival. Spandau fährt zwar mit, doch seine Lizenz gilt nur in Kalifornien, so dass auch ein französischen Bodyguard zum Einsatz kommt. Hollywood und Cannes bieten die Kulisse für eine rasante Handlung. "Cool und mit richtig viel Witz und Tempo erzählt", sagte Antje Deistler über Daniel Depps "Die Stadt der Verlierer". Feinste Spannung, beste Unterhaltung auch bei seinem zweiten Streich. Daniel Depp liefert mit "Nächte in Babylon" einen weiteren Thriller der Extraklasse ab.

Leseprobe aus "Nächte in Babylon"

ZWEITER TEIL (S. 137-138)
CANNES
1
Serge Vignon wachte auf. Wie an jedem Morgen schob er sich als Allererstes die Katze vom Gesicht, setzte sich hin und dankte Gott, dass er nicht mehr verheiratet war. Jane, die kleine, elegante Tigerkatze, rollte sich auf seinem Schoß zusammen und schnurrte verführerisch. Manchmal schreckte Vignon noch heute aus dem Schlaf, weil ihm davor graute, auf der anderen Seite des Bettes seine Exfrau Adèle vorzufinden, säuerlich vor sich hin schnaufend.
So erging es ihm schon seit drei Jahren. Doch bis jetzt schien ihm das Glück hold bleiben zu wollen. Halb erstickt unter einer Katze aufzuwachen, kam ihm nach einem Jahrzehnt mit Adèle regelrecht wie ein Segen vor. Er hatte erst mit siebenunddreißig geheiratet, relativ spät für einen Franzosen, nach einer endlosen Reihe von Beziehungsfiaskos. Jede Menge Affären, jede Menge gebrochene Herzen. Weil es ihm unangenehm war, selbst Schluss zu machen, piesackte er die Frauen so lange, bis sie ihn von sich aus verließen.
Das kam ihm diplomatischer vor. Sollten sie ihn ruhig hassen, dass juckte ihn nicht. Zumindest so lange nicht, bis ihm eine von ihnen eine Kugel verpasst hatte. Und damit er auch ja nicht vergaß, wie knapp er damals dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen war, bestand der zweite Teil seines Morgenrituals darin, die Hand kurz auf die kleine, wulstige Narbe zu legen, die er dem Geschoss verdankte, das ihm fast die Milz zerfetzt hätte. Im Krankenhaus hatte er sehr viel Zeit zum Nachdenken gehabt – und Sex mit der Nachtschwester, die ihm ohne viel Brimborium, aber mit großem Elan einen geblasen hatte, während er sie unter ihrem gestärkten weißen Kittel befummelte. Natürlich hatte er sie nicht aus diesem Grund geheiratet.
Vignon war ein attraktiver Mann, der in seinem Leben durchaus schon des Öfteren ein Flötenkonzert genossen hatte. Der Gedanke ans Heiraten war ihm erst nach der Entlassung aus dem Krankenhaus gekommen. Je länger sie miteinander gingen, je länger sie später zusammenlebten, desto mehr bewunderte Vignon ihre kühle Distanziertheit, ihre Souveränität, ihre Sauberkeit. Sie hatte etwas Zenartiges an sich, das ihn in seinen Bann zog. Sie liebte ihn nicht. Er liebte sie nicht. Es war wunderbar, es war rein, unbesudelt von albernen, klebrigen Emotionen. Sie heirateten und segelten unter einem blitzblanken Himmel dem weiten, offenen Horizont entgegen. Ganze sechs Monate hatten diese antiseptischen Ehewonnen angehalten.
Dann dämmerte Vignon ganz langsam, wie sehr er sich verrechnet hatte. Er war davon ausgegangen, dass man sich bittere Enttäuschungen erspart, wenn man von Anfang an nicht liebt. Damit lag er gar nicht mal so falsch. Bloß hatte er leider außer Acht gelassen, dass mangelnde Liebe allemal in real existierenden gegenseitigen Hass umschlagen kann – und zwar rasant. Vignon und Adèle dachten zehn Jahre lang jeden Tag daran, einander umzubringen, beseelt von einem nie verlöschenden Hass, der wie eine Zündflamme in ihnen glomm. Eines Tages sagte Adèle zu ihm: »Ich kann dich auf den Tod nicht ausstehen.« Sie umarmten sich, und Vignon half ihr beim Packen. Seitdem hatten sie sich nicht mehr wiedergesehen, kein Wort miteinander gewechselt. Kurz nach der Trennung stand plötzlich Jane auf seiner Terrasse – klein, mager und krank.
Er fütterte sie, gab ihr Medizin und ließ sie in einer Kiste neben seinem Bett schlafen – bis sie eines Morgens auf seinem Gesicht saß. Endlich hatte er die wahre Liebe gefunden. Vignon, der nackt schlief, stand auf und schlüpfte in seine Jeans. Er gab Jane Wasser und Futter, nahm sich eine Gitane aus dem Päckchen, das in der Küche auf der Arbeitsplatte lag, und ging damit nach draußen. Das Rauchen war seine einzige unschöne Angewohnheit – in allem anderen war er praktisch perfekt. Aber im Haus hatte er es sich streng verboten. Er wohnte in Grasse, an einem Berghang oberhalb von Nizza, mit einem weiten Blick über die Stadt bis hinunter zum Meer.

Portraits

Daniel Depp: Daniel Depp, Drehbuchautor und Produzent, wurde für sein Drehbuch zum Film "The Brave" für die "Goldene Palme" in Cannes nominiert. Er lebt in Kalifornien und Frankreich.

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